Internationale Konferenz des Historischen Instituts der Philosophischen Fakultät der J. E. Purkyně-Universität in Ústí nad Labem/Aussig

Tagungsort: Philosophische Fakultät der Universität in Ústí nad Labem/Aussig, Pasteurova 13, Ústí nad Labem, Tschechien

Tagungstermin: 5. und 6. November 2019

Handlungssprache: Deutsch (eventuell Englisch)

Die landesherrlichen Kanzleien in den Ländern der böhmischen Krone sowie im nordalpinen Teil des Heiligen römischen Reiches gelten im Unterschied zu anderen Bereichen der Diplomatik als nicht allzu frequentiertes Forschungsthema. Die Zeit für die Organisierung derartigen Tagung scheint uns als geeignet zu sein. Es sind mehr als drei Jahrzehnte ab der letzten ähnlich geprägten Tagung in München 1983 verlaufen. Obwohl unsere Konferenz nicht so breitangelegte Ziele haben kann (wie erwähntes Symposium der Internationalen diplomatischen Kommission), trotzdem sollte sie eine Plattform für die Erkennung des Forschungsstandes der landesherrlichen Kanzleien und ihrer Schriftstücke im Spätmittelalter werden.

Die Konferenz wird sich einem ziemlich breit definierten Thema der spätmittelalterlichen landesherrlichen Kanzleien in Mitteleuropa widmen. Der Raum umfasst also Länder der böhmischen Krone (die Kanzlei der böhmischen Könige, mährische markgräfliche Kanzlei, Kanzleien der schlesischen Fürsten), genauso wie die nordalpinen Territorien des Reiches, seien es weltliche oder kirchliche Gebiete. Die Aufmerksamkeit sollte sich nicht auf die Kanzleien der römischen Könige/Kaiser orientieren (mit Ausnahme der böhmischen Kanzlei der Luxemburgerzeit, wo jedoch der Nachdruck auf ihre landesherrliche Funktion gelegen sein sollte).

Auβer der Überlegungen, wie die 1983 artikulierten Postulate vollgezogen werden (oder ob zu gewissen Meinungsverschiebungen gekommen ist), sollte zu weiteren Zielen unserer Konferenz die Vorstellung des aktuellen Standes dieser Problematik und der methodologischen Ausgangspunkte der heutigen Diplomatik der landesherrlichen Kanzleien im Spätmittelalter darstellen. Behandelt werden sollten auch die neuesten methodologischen Ansätze, die die Diplomatik rezipiert, und die Möglichkeiten und Grenzen ihrer Benutzung:

1) die erste Fragengruppe ist mit der Kanzlei und ihrem Personal verbunden:
a) der Akzent auf die Analyse der personellen Strukturen einer Kanzlei (Tendenzen zur Prosopographie) und die Frage, wie die Kanzlei eigentlich definiert werden soll; damit hängt die Verfolgung des Ausbildungsgrades dieser Personen und ihrer universitären Verbindungen zusammen, die auf ihre Karriere einen Einfluss haben konnten
b) die Wahrnehmung der Kanzleitätigkeit und ihre kulturellen Auswirkungen (hierher gehören die Kulturinteressen einzelner Kanzleimitglieder, ihr Mäzenatentum, die Existenz ihrer Bibliotheken, eventuell ihre eigene literarische Tätigkeit)
c) Verbindung der Kanzleien mit der Hof- und Residenzforschung
2) auch die eigentlichen Kanzleiprodukte bleiben nicht auβer dem Forschungsinteresse:
a) die Benutzung der Urkunden, eng verbunden mit ihrer Archivierung; ihr Einfluss auf die allmähliche Durchsetzung der amtlichen Schriftkultur in der Gesellschaft
b) der Einfluss des Buchdruckes auf die Kanzleitätigkeit
c) einzelne Phasen der Urkundenausstellung
d) haben auch die Paläographie und allgemein gesagt die Erforschung der äuβeren Merkmale in diesem Zusammenhang ein Forschungspotenzial (z. B. Schriftstoffe, die Eindringung von Papier, seine Provenienz, Einbandforschung usw.)?
e) vertiefte Erforschung einiger Teile des Urkundenformulars (besonders der Arengen)
f) der Einfluss der Kommunikationstheorien mit soziologischen Methoden
g) die Untersuchung der Deperdita (verschiedene subsidiäre Quellengattungen)
h) die Möglichkeiten der elektronischen Bearbeitung
3) mögliche Forschungsansätze seitens der früh- und hochmittelalterlichen Diplomatik
z. B. symbolische Kommunikation verbunden mit den Urkunden, die Deutung der Urkunden als Plakaten des Mittelalters usw.

Obwohl diese Aufzählung lange nicht alle möglichen und ggf. auch wichtigen Themenkreise zu Wort bringt, ist es klar, dass diese in ihrer Fülle kaum zu ventilieren sind. Anderseits können die Beitragenden willkommenerweise mit anderen (eigenen) Impulsen kommen. Rückblicke und Ausblicke ebenfalls willkommen. Jedenfalls sollte als Ergebnis der Tagung gelten, dass Diplomatik sich kaum in Krisis befindet, gerade umgekehrt. Als historische Teildisziplin ist sie nach wie vor stets bereit zur ausgewogenen Quelleinterpretation beizutragen. Und das nicht nur im Bereich der mittelalterlichen Geschichte.

Organisatoren:
prof. PhDr. Ivan Hlaváček, CSc.
Mgr. Tomáš Velička, Ph.D.

Kontakt:
Mgr. Tomáš Velička, Ph.D.
Katedra historie FF UJEP
Pasteurova 13, 400 01 Ústí nad Labem, Tschechien
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