Datum des Kolloquiums: 18. und 19. Mai 2017

Termin dem Ablieferung der Beiträge: bis 31. August

Veranstaltungsort: Museum der Stadt Aussig

Im Jahre 2017 wird es ein halbes Jahrtausend vergangen sein, seit Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg anschlug, in denen er unter anderem den Ablasshandel kritisierte. Damit leitete er die Reformation ein. Die Gedanken der deutschen Reformation beeinflussten auch die böhmischen Länder weitreichend und fanden Anklang vor allem unter der hiesigen deutschsprachigen Bevölkerung. Luther weckte aber früh auch Interesse bei einem ganzen Spektrum nichtkatholischer Konfessionen in Böhmen, vor allem nachdem er sich zu seiner Leipziger Disputation bei Dr. Eck (1619) eindeutig auf das Erbe von Hus bezog. Damit wurde der Grundstein gelegt für eine vielfältige Interaktion zwischen dem böhmischen konfessionellen Milieu und der deutschen Reformation, die sich im Laufe des 16. Jahrhunderts in unterschiedliche Strömungen und Bewegungen ausdifferenzierte.

Der erste Themenkreis der geplanten Konferenz wird die älteste Etappe des reformatorischen Prozesses betreffen und die Zeit von Luther bis zum Jahre 1620 umfassen. Es kommt eine Reihe von Themen in Betracht, die sich aus der beidseitigen Kommunikation des deutschen und auch böhmischen

religiös-politischen, technischen und ökonomischen Milieus ergeben. Diese beeinflusste erheblich den Blick auf die Vergangenheit und auch die Bewertung unterschiedlicher Sphären des zeitgenössischen Alltagslebens und zeigte sich in der Schulbildung, Musik, Literatur, im Theater, der Kunst und Architektur. In dieser Zeit etablierte sich das Luthertum, das der Habsburger Monarch Ferdinand I. nicht vorhatte zu tolerieren, langsam unter den Konfessionen im Königreich Böhmen und entwickelt sich vor allem unter Unterstützung des benachbarten Sachsens. Es trat ein in die Interaktion nicht nur mit den Utraquisten und den ebenfalls verfolgten Böhmischen Brüdern, sondern auch mit der katholischen Kirche.

Nach Ausgabe des Toleranzpatents 1781 begannen die nichtkatholischen Konfessionen langsam und auf verschiedenen Wegen wieder ins Alltagsleben der Bevölkerung zurückzukehren, bis zum Ende des 19. Jahrhunderts bildeten sich voll funktionsfähige Strukturen dieser Kirchen aus. Auch entgingen sie nicht der Politisierung und Nationalisierung – an dieser Stelle kann die extremistische Bewegung Los von Rom von Georg Schönerer genannt werden.

Die Fragen, die sich hier anbieten, betreffen verschiedene Formen nichtkatholischer Konfession im Rahmen der damaligen deutschsprachigen Bevölkerung. Es geht um den Aufbau von Strukturen, um grenzüberschreitende Inspiration und Hilfe aus Deutschland, weiter die Rolle von Persönlichkeiten, den Widerhall in der Kunst sowie Äußerungen und Auswirkungen der politisch-nationalen Instrumentalisierung.

Der Erste Weltkrieg und die nachfolgende Entstehung der Tschechoslowakischen Republik bedeuten logischerweise auch Veränderungen bei den deutschen Protestanten. Einerseits kam es zu strukturellen Veränderungen hinsichtlich der Eingliederung der Kirchen in das staatliche System, auch

musste die Frage der Loyalität und des Verhältnisses zu den tschechischen Protestanten geklärt werden. Zum Ende der Ersten Republik taucht die Frage der Loyalität erneut auf angesichts der Bedrohung und nachfolgenden Liquidation des Staates. Das Kriegsende 1945 brachte mit der Zwangsaussiedlung der deutschen Minderheit auch das Ende der Existenz deutscher Protestanten in den böhmischen Ländern.

Hier bieten sich Themenkreise an, die sich auf die Einführung neuer Themen und überdauernde Schemata beziehen (der Rest der Bewegung Los von Rom, Formen andauernder Unterstützung vonseiten der deutschen evangelischen Schwesterkirche, Veränderung der Beziehung zu tschechischen Protestanten und anderen Institutionen. Weiter auch unterschiedliche Einstellungen gegenüber dem aufkommenden Nationalsozialismus, Rolle der Persönlichkeit im Allgemeinen).

Eine eigene Sektion sollten Fragen bilden, die die Reflexion von Martin Luther im Untersuchungsraum betreffen.

Die Konferenz führt nicht auf die „grüne Wiese“, die Mehrheit der Fragen wurde bereits bearbeitet und die Ergebnisse wurden publiziert. Deshalb wäre es gut, wenn sich die Referate auf potenziell zu übersehende Kontexte beziehen würden, grenzüberschreitende Vergleiche oder neue Interpretationen des Bekannten. Akzentuiert werden sollte nicht nur die Konfrontation, sondern auch die Zusammenarbeit mit anderen Konfessionen, vor allem mit den Katholiken. Begrüßt werden zudem interdisziplinäre Themen. Wir rufen die Referenten also zu Einfallsreichtum auf.

 

Organisationsinformationen:

Die Referate werden übersetzt werden.

Die Unterkunft sollen die Teilnehmer selbst besorgen.

Den deutschen Teilnehmern werden die Reiskosten erstattet werden.