Leider sieht die Corona-Situation erneut nicht gut aus. Deshalb haben wir uns entschieden, unser Colloquium „Das letzte Jahr des II. Weltkrieges“ nochmals zu verschieben. Hoffentlich schaffen wir es, im Frühjahr etwas besser mit dem Virus umzugehen. Wir werden den Termin rechtzeitig bekannt geben.

Ort: Museum der Stadt Aussig (Ústí nad Labem)

Hiermit möchten wir Sie zur aktiven Teilnahme am Kolloquium „Das letzte Jahr des Zweiten Weltkriegs auf dem Gebiet von Reichsgau Sudetenland und Reichsprotektorat Böhmen und Mähren 1944-1945“ einladen.

Call for Papers:

Im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs von 1944-1945 überschlugen sich auf dem Gebiet des Reichsgaus Sudetenland und dem Protektorat Böhmen und Mähren die Ereignisse. Wegen der Verlegung hunderter Waffenfabriken und der hohen Nachfrage nach Arbeitskraft wuchs die Zahl der Kriegsgefangenen in den Gefangenenlagern. Vor allem im Reichsgau Sudetenland entstanden viele „Zweigstellen“ von Arbeitslagern und gleichzeitig wurde dieses Gebiet zu einem immer wichtigeren Zufluchtsort für von den Bomben vertriebene Reichsdeutsche, besonders für die Kinder aus den durch Flieger-Bomben bedrohten Regionen. Ab dem Jahr 1944 wurden jedoch auch die industriellen Unternehmen und Waffenbetriebe auf unserem Gebiet Ziel der alliierten Bomber und so wuchs auch die Zahl der Opfer in der Zivilbevölkerung. Im Herbst 1944 erreichten die ersten Flüchtlinge aus dem Osten den Reichsgau Sudetenland – die Vorhut einer gewaltigen Flüchtlingswelle, die zum Ende des Jahres 1945 den Gau überschwemmte und im Protektorat mit der euphemistischen Bezeichnung „Volks-Gäste“ versehen wurde. Mit dem schnellen Vorrücken der Frontlinie wurden die Bewohner zu Zeugen der Todesmärsche und mit Ende des Winters begann man sich im Osten des Gaus auf die Kriegs-Taktik des Rückzugs der „verbrannten Erde“ vorzubereiten. Die Bombenangriffe der Alliierten konzentrierten sich vor allem auf die Verkehrsknotenpunkte, und gleichzeitig verstärkten sich die Aktivitäten der Tiefflieger, die im Frühjahr 1945 zu einem festen Bestandteil der letzten Kriegstage wurden. Das Bestreben der Nazis, die Ruhe im Protektorat zu erhalten, wurde Anfang Mai zunichte gemacht, als der Aufstand in Přerov ausbrach; damals befreiten bereits amerikanische Einheiten einen Teil Westböhmens und warteten auf die Erlaubnis zum weiteren Vorrücken. Das Ende des Krieges im Reichsgau Sudetenland wurde von Flugeinsätzen der sowjetischen Luftwaffe begleitet, die diese erst am 9. Mai 1945 einstellte. An diesem Tag erreichten die ersten Einheiten der Roten Armee Prag, wo seit dem 5. Mai der durch die Mitstreiter Vlasovs gerettete Aufstand im Gange war.

Es mag scheinen, dass der größte Teil der Ereignisse, die mit den letzten zwölf Monaten des Zweiten Weltkriegs auf unserem Gebiet verbunden sind, bereits in irgendeiner Weise untersucht wurde. Es bleiben jedoch viele Themen, die noch auf ihre Bearbeitung oder Betrachtung warten. Gerade darauf will sich das 27. Aussiger Kolloquium konzentrieren.

Vorgeschlagene Themen:

  • Waffenindustrie
  • Soziale Problematiken (Berufstätigkeit von Frauen, Evakuierung der Reichsdeutschen, „Volks-Gäste“, Tätigkeit des NSV)
  • Alltägliches (Tätigkeiten der Verwaltung, Versorgung, Wohnbedingungen)
  • Aufbau im Rahmen des DWH-Programms
  • Luftkrieg über unserem Gebiet
  • Grenze zwischen Reichsgau Sudetenland und Protektorat Böhmen und Mähren
  • Partisaneneinheiten und Widerstandsgruppen, Tätigkeit, Änderung der Ideologie
  • Kriegsgefangene, Konzentrationslager
  • Bildung und Tätigkeit des Volkssturms
  • Widerstand bis zum Schluss – Vorbereitungen für die Verteidigung vor den heranrückenden Alliierten Einheiten
  • Widerstand auch nach dem Ende – Werwolf
  • Stimmung und Haltungen der Bewohner im Reichsgau Sudetenland und Protektorat
  • Die letzten Woche des Krieges aus regionaler Sicht
  • Erinnerungskultur
  • Möglichkeiten der Archiv-Forschung

Die Organisatoren rechnen mit der Veröffentlichung einer Monografie mit den gesammelten Beiträgen dieser Konferenz.

Der Einsendeschluss für die Anmeldung mit Resümee ist der 3. 4. 2020. Die Organisatoren behalten sich das Recht vor, eine Auswahl der Beiträge zu treffen.

Die Länge des Beitrags beträgt 20 Minuten.

Die maximale Länge des Resümees beträgt 900 Zeichen. Das Resümee kann in folgenden Sprachen eingereicht werden: Tschechisch, Deutsch. Wir erlauben uns Sie darauf hinzuweisen, dass die eingesandten Resümees in die jeweils andere Sprache übersetzt (Tschechisch-Deutsch) und als Beilage zum Programm der Konferenz bereit gestellt werden. Aus diesem Grund bitten wir Sie, das Resümee in Hinblick auf die Veröffentlichung im Rahmen der Konferenz zu konzipieren.

Sprachen der Konferenz: Tschechisch, Deutsch. Bei der Konferenz wird kein Simultan-Dolmetscher anwesend sein.

Im Namen des Organisations-Ausschusses freut sich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen

  • doc. Mgr. Martin Veselý, Ph.D. – Leiter des Instituts für Geschichte der Philosophischen Fakultät der Jan Evangelista Purkyně-Universität in Aussig
  • doc. PhDr. Kristina Kaiserová, CSc. – Vorsitzende der Gesellschaft für die Geschichte der Deutschen in den böhmischen Ländern, Institut der slawisch-germanischen Studien FF UJEP
  • Mgr. Václav Houfek – Direktor des Museums der Stadt Aussig
  • Mgr. Petr Karlíček, Ph.D. – Direktor des Archivs der Stadt Aussig
  • PhDr. Petr Koura, Ph.D. – Direktor des Collegium Bohemicum o.p.s.